Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte e. V.


Die Fachgruppe Mittelstand

Der Mittelstand (zur Definition vgl. Rhein-Ruhr-Institut für angewandte Mittelstandsforschung) ist der größte Arbeitgeber und Ausbilder in Deutschland: Mittelständische Unternehmen beschäftigen fast 70% aller Erwerbstätigen und stellen 80% der Ausbildungsplätze. Darüber hinaus tätigt der Mittelstand nahezu 50% aller Investitionen. Die hohe volkswirtschaftliche Bedeutung ist unbestritten. Das Interesse am Mittelstand ist auch in den Wissenschaften gestiegen und äußert sich in einer wachsenden Zahl von Publikationen zur KMU-Forschung.

Die Stärken kleiner und mittlerer Unternehmen liegen in der flexiblen und schnellen Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen und Märkte sowie in der Fähigkeit, innovative Produkte zu entwickeln und schnell zur Marktreife zu führen. Viele - meist inhabergeführte - Unternehmen nutzen diese Stärken, um sich auch auf internationalen Märkten erfolgreich zu positionieren. Dem Erfolg mittelständischer Unternehmen steht aber auch eine hohe Insolvenzzahl gegenüber. Die Analyse der Insolvenzursachen deutet auf signifikante Schwachstellen hin: 75% der Insolvenzen entstehen aufgrund mangelhafter Unternehmensführung und 80% haben Finanzierungsgründe. „Lediglich“ 55% der Insolvenzen sind unternehmensextern (Konjunktur, Lohnsteigerungen, Steuerbelastung etc.) verursacht. Dabei ist jedoch auch die Kombination mehrerer Faktoren entscheidend: Nachhaltige Managementdefizite machen sich z. B. insbesondere in Konjunkturkrisen betriebsgefährdend bemerkbar.

Mit abnehmender Unternehmensgröße sinkt statistisch das betriebswirtschaftliche Know-how. Der Erfolg eines Unternehmens ist jedoch mit dem Einsatz von betriebswirtschaftlichen Instrumenten wie z. B. Liquiditätsplanung und strategischer Managementplanung positiv korreliert. Banken und Rating-Agenturen werden bei ihrer Bewertung (Basel II) zunehmend auch auf qualitative Kriterien wie Nachfolgeregelungen, Struktur und Kompetenz des Managements, betriebswirtschaftliche Infrastruktur etc. achten. Die Ansprüche an die betriebswirtschaftliche Qualifikation des mittelständischen Managements werden folglich auch durch neue Bewertungskriterien steigen. Ein vorrangiges Ziel muss also eine stärkere Professionalisierung der Unternehmensführung im Mittelstand sein, womit wichtige Diskussionsfelder der Fachgruppe definiert wären: Welches spezifische betriebswirtschaftliche Wissen ist in mittelständischen Unternehmen notwendig und praxisorientiert einsetzbar? Welche Veränderungen müssen im Management vollzogen werden?

Die Fachgruppe Mittelstand hat auch eine Querschnittsfunktion zu den anderen Fachgruppen: Unternehmensorganisation, Controlling, Personal, IT, E-Business etc. – alles Bereiche, die grundsätzlich für alle Unternehmensgrößen erfolgskritisch sein können, in mittelständischen Unternehmen jedoch andere Akzente besitzen. Nicht alles, was theoretisch oder betriebswirtschaftlich adäquat erscheint, kann in der mittelständischen Betriebspraxis um- resp. durchgesetzt werden.

Aufgabe der Fachgruppe Mittelstand ist es, die spezifischen Besonderheiten und Bedarfe des Mittelstands im Diskurs mit mittelständischen Betrieben herauszuarbeiten, Erfolgspotentiale zu identifizieren und damit auch Empfehlungen für die akademische Ausbildung des mittelständischen Managementnachwuchses abzugeben.

 


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